In den letzten Jahrzehnten haben insbesondere entlang der Rheinschiene (neue) Wohnquartiere die räumliche Entwicklung vorhandener und neuer Gewerbe- und Industriegebiete unter Druck gesetzt. Der fehlende Raum entlang der Rheinschiene hat dazu geführt, dass der Druck, neue GE/GI-Gebiete im Rhein-Erft-Kreis zu entwickeln, stark zugenommen hat. In diesen Zusammenhang gab es schon mehrfach Versuche, das Gewerbe- und Industriegebiet Knappsacker-Hügel zu erweitern. Jedoch war der Raum neben diesem Gewerbe- und Industriegebiet im Regionalplan als allgemeiner Freiraum- und Agrarbereich ausgewiesen. Darüber hinaus war der Raum als Fläche zum Schutz der Landschaft und der landschaftsorientierten Erholung bezeichnet.
Im Rahmen der Neuaufstellung des Regionalplans für den Regierungsbezirk Köln haben der Rhein-Erft-Kreis und die Kommunen Hürth und Erftstadt ein Änderungsverfahren angestoßen, mit dem die Umwidmung der Fläche neben dem vorhandenen GE/GI Gebiet in einen „Bereich für gewerbliche und industrielle Nutzung (GIB)“ beantragt wurde. Ein zentraler Baustein des Antrags bildete eine städtebauliche Vorstudie für die Erweiterungsfläche. Ziel dieser Vorstudie war es, die Entwicklung wirtschaftlicher Nutzungen und den Erhalt des Grünraums gleichwertig zu betrachten und beides integrativ zu verbinden. MUST wurde beauftragt diese Studie durchzuführen.
Das Plangebiet liegt eingebettet im bewaldeten Grünzug der Ville, der sich landschaftsprägend durch den Rhein-Erft-Kreis zieht. Innerhalb dieser Struktur finden sich zellenartige Räume, die sich entweder der Siedlungsstruktur, landwirtschaftlich genutzten Flächen oder den charakteristischen Seen zuordnen lassen. Aus dieser Beobachtung entstand das Konzept der „Produktiven Zelle 4.0“: neue Zellen mit industrieller Nutzung werden in die bestehende Grünstruktur eingefügt und folgen damit dem regionalen Prinzip der kleinteiligen, vernetzten Entwicklung. Anstelle einer bandartigen, linearen Ausdehnung entsteht so ein aufgelockertes, organisches Gefüge, das sich harmonisch in den Landschaftsraum einfügt. Ein wesentlicher Bestandteil des Entwurfs ist der nachhaltige Umgang mit dem Bestand sowie die Verknüpfung der grünblauen Infrastrukturen. Im Norden des Gebiets befindet sich ein stark degradierter Waldbestand. Das Konzept sieht vor, Teile dieses Waldes zu roden, um neue Entwicklungsflächen zu schaffen, den Verlust jedoch durch umfangreiche, doppelte Kompensationsaufforstungen im übrigen Planungsraum auszugleichen.
Im neuen Regionalplan wurde die Umwidmung der Erweiterungsfläche in einen „Bereich für gewerbliche und industrielle Nutzung (GIB)“ festgesetzt.
Bearbeitungszeitraum
01/2022 – 01/2024
Standort
Hürth / Erftstadt
Auftraggeber
RWE Power AG und Rhein-Erft-Kreis
Produkt
Vorstudie





